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Wie ein internes Verwaltungsverfahren offensichtlich unsere Stadt kaputtspart

Beispielhaft möchte ich zeigen, wo aus meiner Sicht hier das Problem liegt.

Ich bin Lehrerin für das Fach Kunst und unterrichte in einem Fachraum. Von den Verantwortlichen werden Sicherheitskonzepte für Ihren Raum erwartet. Bei meinem Raum gibt es verschiedene Gefahrenquellen. Eine sind die Sitzflächen. Bei der Hälfte meiner Stühle sind diese nur noch mit 2 von 4 Nieten befestigt. Regelmäßig springen diese aus den Befestigungen und liegen dann am Boden. Von mindestens zwei Schulen weiß ich aus eigenem Erleben, dass seit Jahren kein Ersatz stattfindet. Ansprechpartner hierfür ist das Schulverwaltungsamt der Stadt, welches vor der Freigabe von Mitteln einem internen Verwaltungsverfahren unterworfen ist, welches extrem zäh abläuft.

Nimmt man an, dass es gelingen würde, jedes Jahr zwei volle Klassensätze Stühle zu bekommen, würde die Ausstattung unserer Schulen ca. 15 bis 20 Jahre dauern. Ist man mit der Erneuerung einmal durch, kann man gleich wieder von vorn beginnen. Warum ist das so?

Ich erläutere dies an einem aktuellen Beispiel, dem meiner Spüle. Es ist unbestritten, dass ein Fachraum Kunst auch mindestens ein Becken für das Säubern von Pinseln, Paletten und anderen Werkzeugen haben muss.

mangelhafte Ausstattung im OSZ Brandenburg an der Havel - verrottete Spüle

Die Spüle in meinem Raum ist nicht mehr standsicher und hat sich von der Wand gelöst. Das Wasser kommt zusätzlich seitlich am Wasserhahn heraus. Also noch so ein Sicherheitsproblem.

Meine Vorgängerin hat bereits begonnen, die Erneuerung der Spüle im Amt zu beantragen, leider erfolglos.

Ich habe einen erneuten Versuch unternommen. Dafür musste ich mehrfach darstellen, warum Lernende überhaupt eine Spüle brauche und weshalb ich den Ersatz der Spüle für zwingend notwendig erachte. Mehrfach holte ich entsprechende Angebote ein.

Im letzten Schuljahr wurden wir dann wieder vertröstet. Trotz regelmäßiger Nachfrage und einiger Telefonate mit der Schulverwaltung war nichts zu machen.

Zu Beginn dieses Schuljahres konnten die Schulen der Stadt nicht einmal Geld für Verbrauchsmaterial (z.B. Kopierpapier) ausgeben, da dies von der Stadt nicht freigegeben war.

Um nicht noch ein weiteres Jahr zu verlieren, wurde dann folgendes Verfahren verabredet:
Die Schule geht in Vorkasse und erwirbt über private Zahlung eine neue Spüle. Nach Lieferung wird die Rechnung im Amt eingereicht und irgendwann bekommt man dann das Geld zurück.

Dieses Verfahren im Schulverwaltungsamt verhindert, dass die Einrichtungen das ihnen zugeordnete Budget einsetzen. Große Teile davon werden ungenutzt zurückgegeben, da Schulen entnervt das Handtuch werfen und einfach resignieren.

mangelhafte Ausstattung im OSZ Brandenburg an der Havel - verrottete Spüle - Wasserhahn

Stadtverordnete wundern sich dann in der Haushaltsdiskussion genau darüber.

Dieses „Verhinderungsverfahren“ gehört auf den Prüfstand. In den Schulen, Horten und Kitas sitzen die Experten und Expertinnen, denen ich vertrauen kann. Ihnen sind die tatsächlichen Bedarfe bekannt.

Weiterhin sollte es für alle Schulen eine klare Regelung geben, die dafür sorgt, dass jeder Schule jedes Jahr mindestens zwei neue Klassensätze an Stühlen und Tischen zur Verfügung gestellt werden.

Dieses sperrige und wenig praktikable Bewilligungsverfahren strahlt in alle Bereiche aus. Die Einsparungen, die daraus generiert werden, führen dazu, dass unsere Stadt kaputtgespart wird.

Was uns am Ende wieder teuer zu stehen kommt.

Hier muss es endlich ein Umdenken geben. Das sehe ich als meine Aufgabe an.

Kein Aussitzen, kein Aufschiebn, kein Verhindern mehr. EINFACH MACHEN!