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Eine Bürgerfrage zur Brücke am Altstädtischen Bahnhof und zur Planebrücke am gesperrten Bahnübergang

Frage per E-Mail vom 17.10.2025 von Berhard B. von der Eigenen Scholle

Als ich Frau Dietlind Tiemann zur Obermeisterin gewählt habe, war der Hauptgrund ihre Ankündigung den Neust. Markt zu zuschippen . Diese Ankündigung wurde auch nach Ihrer Wahl zügig umgesetzt.

Nun stehe ich wieder vor einer Wahl und ich weiß nicht, wen ich wählen soll.

Für mich gibt es aktuell 2 Baustellen im wahrsten Sinne des Wortes.

  1. Baustelle ist die Brücke am Altst. Bahnhof.
  2. Baustelle ist der Bahnüberweg an der Planebrücke.

Ich komme zunächst zur Brücke am Altst. Bahnhof, die aber nicht notwendig ist.

Begründung:

Als 1968 die Brücke nach 15-monatiger Bauzeit eingeweiht werde konnte, haben im Stahl- und Walzwerk 11.000 Beschäftigte gearbeitet. Die große Mehrheit diese Beschäftigten kam aus den Stadtteilen Nord und Hohenstücken. Darüber hinaus war der Eisenbahnverkehr (Güterverkehr, insbesondere Rangierfahrten und der Personenverkehr) enorm. Lange Schließungszeiten der Schranke vor der Eröffnung der Brücke haben den Straßenverkehr stark beeinflusst. Der Brückenbau war notwendig.

Die Situation heute. Das Stahl- und Walzwerk ist Geschichte. Der Eisenbahnverkehr ist stark zurück gegangen. Aktuell passieren pro Stunde 2 Personenzüge diese Stelle. Ein Brückenneubau ist nicht notwendig.

Anders sieht es am Bahnübergang Planebrücke aus. Diese Hauptstrecke der Bahn zwischen Ost- und Westeuropa passieren täglich mehrere hundert Züge. Ein Bahnübergang ist nicht die Lösung. Eine Bahnüberführung wird auch von der DB sehr begrüßt. Die Rampen am Altst. Bahnhof können für die Rampen an der Planebrücke verwendet werden.

Der Neubau am Altst. Bhf. soll 56 Mio.€ kosten. Während die Überführung an der Planebrücke 15 Mio.€ kosten soll.

Ich habe über Lifestream die Veranstaltung am Montag verfolgt. Leider wurde dieses Thema nicht aufgegriffen. Keiner von den Kandidaten hat sich dazu geäußert.

Deshalb wende ich mich an Sie um zu erfahren, wie Sie dazu stehen.

Brücke am Altstädtischen Bahnhof

Meine Antwort

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich freue mich, wenn Bürgerinnen und Bürger sich für die Entwicklungen in unserer Stadt interessieren und gehe persönlich gern mit Ihnen ins Gespräch.

Am 13.10.25 war Herr Scheller vor Ort und wollte im Krugpark Rede und Antwort stehen, unter anderem auch zur Planebrücke.
Eventuell waren Sie ja vor Ort. Dann hätten Sie mich bereits an meinem Stand vor dem Krugpark ansprechen können.
Ich bin nach zwei Stunden gegangen, weil sich viele Inhalte der Veranstaltung einfach nur noch wiederholten. So weiß ich nicht, ob Sie im letzten Teil bereits vom OB eine Antwort bekommen haben.
Am letzten Wochenende war eine weitere OB-Kandidatin auf der Eigenen Scholle, vielleicht haben Sie auch da das Gespräch gesucht.

Jetzt zu Ihrer Frage:

Mein Vater ist Ingenieur für Brückenbau und war leitend am Bau der Brücke des 20. Jahrestages beteiligt. Zur letzten großen Brückenschau vor der Sprengung ist er deshalb geladen gewesen und war vor Ort. Wenn es also um technische Details geht bzw. um die erheblichen Versäumnisse bei der Wartung der Brücke, dann können wir uns noch einmal ausführlicher dazu unterhalten.

Jetzt geht es um die beiden von Ihnen angesprochenen Brücken. Hier muss ich Ihnen zunächst mitteilen, dass die Brücke am Altstädtischen Bahnhof in der Zuständigkeit des Bundes liegt, d.h., alle Brücken, die Teil einer Bundesstraße sind, werden vom Bund geplant und finanziert. Wir als Stadt haben dabei nur einen geringen Einfluss. Trotzdem ist es meine Meinung, dass Herr Scheller als OB zumindest den Versuch hätte unternehmen müssen, die Interessen unserer Stadt mit mehr Nachdruck gegenüber Bund und Land zu vertreten. Ich finde, wie Sie, dass dieses Bauwerk am Altstädtischen Bahnhof völlig überdimensioniert geplant ist. Durch eine sinnvollere und reduzierte Planung hätten Gelder eingespart werden können. Wir sind als Kommune mit ca. 23 % an den Kosten beteiligt, eine einfachere Lösung wäre also auch in unserem Sinne gewesen. Ich habe mich bei der Vorstellung der Planunterlagen im Rolandsaal durch das Landesamt bereits damals als Stadtverordnete dafür eingesetzt.

Anders verhält es sich bei der Planebrücke. Hier ist unsere Stadt tatsächlich in vollem Umfang zuständig. Ihre Überlegungen zu einer anderen Lösung als der, die jetzt geplant ist, kann ich nachvollziehen. Die Entscheidung, wie die Brücke und der Bahnübergang ausgeführt werden sollen, ist allerdings bereits 2007 unter Frau Dr. Tiemann getroffen worden. Ich bin keine Verkehrsplanerin oder Ingenieurin, deshalb kann ich nicht beurteilen, ob diese Entscheidung richtig war oder anders hätte getroffen werden können.
Seit dem, immerhin bereits seit 18! Jahren, lässt die Verwaltung sporadisch an einer Lösung planen.
Der eigentliche Skandal für mich ist die Tatsache, dass diese Planungen immer wieder unterbrochen und zurückgestellt wurden, weil andere Dinge wichtiger erschienen. Als 2024 eine große Brückenprüfung nicht mehr zu verhindern war, kam die erwartbare Sperrung. So ist es zu diesem Provisorium gekommen, was für alle Beteiligten eine Katastrophe ist und auch noch zusätzlich mindestens 1,5Mio € gekostet hat. Dies wäre mit entsprechender Weitsicht verhinderbar gewesen.

Der aktuelle Prozess wird auch nach der Wahl durch eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister kaum zu ändern sein, dafür müssen der jetzige OB und auch Frau Tiemann die Verantwortung übernehmen.

Man kann nur aus den Fehlern lernen und zukünftig mit mehr Sachverstand und auch mit mehr Bürgerbeteiligung die nächsten Brückenvorhaben angehen. Weil in den letzten 20 Jahren weder korrekte Brückenprüfungen noch ausreichende laufende Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden sind, werden das ziemlich viele sein. Das haben Sie als aufmerksamer Beobachter ja sicher den Medien entnommen.

Als Oberbürgermeisterin werde ich, anders als das derzeitige Verwaltungshandeln, für die Brücken, für die wir als Stadt zuständig sind, Wartungsverträge abschließen lassen. So dass die Brückenbauwerke unter ständiger Begutachtung sind und bereits kleinere Mängel zügig beseitigt werden können, bevor wieder ganze Brücken gesperrt werden müssen.

Ich bedanke mich noch einmal für Ihre sehr konkrete Anfrage. Falls Sie noch Nachfragen haben, bitte wieder eine E-Mail an mich. Gern nehme ich mir die Zeit zur Beantwortung.
Meine obige Antwort können sie gern weitergeben, an andere Bürger:innen, die ähnliche Fragen haben.

Mit freundlichen Grüßen
Birgit Patz